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HELGA UEBEL GmbH - Krankengymnastik, Physiotherapie und Lymphdrainage

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Allgemeine Geschäftsbedingungen:

I. Allgemeine Grundsätze
II. Grundsätze der Heilmittelverordnung
III. Maßnahmen der Physikalischen Therapie
IV. Maßnahmen der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie
V. Maßnahmen der Ergotherapie
VI. Inhalt und Durchführung der Heilmittelverordnung
VII. Zusammenarbeit zwischen Vertragsärzten und Heilmittelerbringern
VIII. Anlagen
IX. Heilmittelkatalog
X. Beschlussfassung, Beauftragungen und Inkrafttreten



I. Allgemeine Grundsätze

1. Die vom Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen gemäß § 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 und Abs. 6 i.V.m. § 34 Abs. 2 und § 138 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V) beschlossenen Richtlinien dienen der Sicherung einer nach den Regeln der ärztli-chen Kunst und unter Berücksichtigung des allgemein anerkannten Standes der medizi-nischen Erkenntnisse ausreichenden, zweckmäßigen und wirtschaftlichen Ver-sorgung der Versicherten mit Heilmitteln.

Den besonderen Bedürfnissen psychisch Kranker bei der Versorgung mit Heilmitteln ist Rechnung zu tragen.

Die Richtlinien sind für die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärztin-nen und Ärzte (im folgenden Vertragsärzte genannt), Kassenärztlichen Vereinigungen, Krankenkassen und deren Verbände verbindlich.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Spitzenverbände der Krankenkassen wirken auf eine einheitliche Anwendung dieser Richtlinien und auf eine enge Zusam-menarbeit zwischen verordnendem Vertragsarzt und ausführendem Therapeuten hin.


2. Die Abgabe von Heilmitteln ist Aufgabe von durch die Landesverbände der Krankenkas-sen und die Verbände der Ersatzkassen auf Landesebene (im folgenden-den Landes-verbände der Krankenkassen genannt) gemäß § 124 SGB V zugelassenen Leistungs-erbringern. Die Landesverbände der Krankenkassen stellen den Kassenärztlichen Ver-einigungen ein Verzeichnis der zugelassenen Leistungserbringer zur Verfügung.


3. Die Spitzenverbände der Krankenkassen werden in den Rahmenempfehlungen über die einheitliche Versorgung mit Heilmitteln und Verträgen nach § 125 SGB V den in diesen Richtlinien beschriebenen Leistungsrahmen nicht überschreiten.

Die Landesverbände der Krankenkassen stellen den Kassenärztlichen Vereinigungen Vergütungsvereinbarungen über die mit den nach § 124 SGB V zugelassenen Leistungs-erbringern vereinbarten Leistungen (einschließlich der Regelbehandlungs-zei-ten) zur Verfügung.


4. Vertragsärzte und Krankenkassen haben darauf hinzuwirken, dass die Versicherten eigenverantwortlich durch gesundheitsbewußte Lebensführung, durch frühzeitige Be-tei-ligung an Vorsorge- und aktive Mitwirkung an Behandlungsmaßnahmen dazu beitra-gen, Krankheiten zu verhindern und deren Verlauf und Folgen zu mildern.


5. Vertragsärzte und Krankenkassen haben die Versicherten darüber aufzuklären, welche Leistungen nicht zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung verordnet und ab-ge-geben werden können.


II. Grundsätze der Heilmittelverordnung

6. Heilmittel sind persönlich zu erbringende medizinische Leistungen. Heilmittel sind

6.1 die einzelnen Maßnahmen der Physikalischen Therapie (Nr. 17.1 - 17.8)
6.2 die einzelnen Maßnahmen der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie
(Nr. 18.1 - 18.3)
6.3 die einzelnen Maßnahmen der Ergotherapie (Nr. 20.1 - 20.5)

Die Richtlinien regeln die Verordnung von Heilmitteln im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung. Die Verordnung von kurortspezifischen Heilmitteln ist nicht Gegenstand dieser Richtlinien.


7. Heilmittel können zu Lasten der Krankenkassen nur verordnet werden, wenn sie notwen-dig sind,

- eine Krankheit zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbe-schwerden zu lindern,
- eine Schwächung der Gesundheit, die in absehbarer Zeit voraussichtlich zu einer Krankheit führen würde, zu beseitigen,
- einer Gefährdung der gesundheitlichen Entwicklung eines Kindes entgegenzuwir-ken oder
- Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder zu mindern.


8. Heilmittel sind nur nach Maßgabe dieser Richtlinien nach pflichtgemäßem Ermessen verordnungsfähig. Der indikationsbezogene Katalog verordnungsfähiger Heilmittel nach § 92 Abs. 6 SGB V (im folgenden Heilmittelkatalog genannt), der Bestandteil dieser Richtlinien ist, regelt

- die Indikationen, bei denen Heilmittel verordnungsfähig sind,
- die Art der verordnungsfähigen Heilmittel bei diesen Indikationen,
- die Menge der verordnungsfähigen Heilmittel je Diagnose und
- die Besonderheiten bei Wiederholungsverordnungen (Folge- und Langfristverord-nungen).

Die Vertragsärzte stellen sicher, dass für sie tätig werdende Vertreter und Assistenten diese Richtlinien kennen und beachten.


9. Die Abgabe von Heilmitteln zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen setzt eine Verord-nung durch einen Vertragsarzt voraus. Der Therapeut ist grundsätzlich an die Verordnung gebunden, es sei denn im Rahmen dieser Richtlinien ist etwas anderes be-stimmt.

Um die Zusammenarbeit zwischen Vertragsarzt und Heilmittelerbringer im Hinblick auf eine gemeinsame, ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Leistungserbrin-gung zu gewährleisten, dürfen für die Verordnung von Heilmitteln nur die jeweils ver-einbarten Vordrucke verwendet werden. Das Nähere zum Inhalt und Umfang der Zu-sammenarbeit des Vertragsarztes mit dem Heilmittelerbringer und den Gebrauch der Verordnungsvor-drucke ist in den Kapiteln VI und VII dieser Richtlinien bestimmt.


10. Die Verordnung von Heilmitteln kann nur erfolgen, wenn sich der behandelnde Vertrags-arzt von dem Zustand des Kranken überzeugt und sich erforderlichenfalls über die per-sönlichen Lebensumstände informiert hat oder wenn ihm diese aus der laufenden Be-handlung bekannt sind.


11. Der Heilmittelverordnung nach den Richtlinien liegt in den jeweiligen Abschnitten des Heilmittelkataloges ein definierter Regelfall zugrunde. Dieser Regelfall geht von der Vor-stellung aus, dass mit dem der Indikation zugeordneten Heilmittel und den entsprechen-den Verordnungs-mengen typischerweise das angestrebte Therapieziel er-reicht werden kann.

11.1 Eine Heilmittelverordnung im Regelfall liegt dann vor, wenn die Auswahl zwischen den im jeweiligen Abschnitt des Heilmittelkataloges angegebenen Heilmitteln ge-troffen wird und die dort festgelegten Verordnungsmenge je Diagnose nicht über-schritten wird. Heilmittel-verordnungen außerhalb des Regelfalls sind bis auf die in den Richtlinien genannten Ausnahmen nicht zulässig.

Rezidive oder neue Erkrankungsphasen können die Verordnung von Heilmitteln als erneuten Regelfall auslösen, wenn nach einer kontinuierlichen Heilmittelan-wendung ein behandlungsfreies Intervall von

- mehr als 6 Wochen bei der Physikalischen Therapie,
- mehr als 12 Wochen bei der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie und
- mehr als 12 Wochen bei der Ergotherapie

abgelaufen ist.

Heilmittel im Regelfall können wie folgt verordnet werden

1. in der Physikalischen Therapie als:
- vorrangiges Heilmittel,
- optionales Heilmittel,
- ergänzendes Heilmittel,
- standardisierte Heilmittelkombination,

2. in der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie:
- das im Katalog genannte Heilmittel,

3. in der Ergotherapie als:
- vorrangiges Heilmittel,
- optionales Heilmittel,
- ergänzendes Heilmittel.


11.2 Die Heilmittel sind nach Maßgabe des Kataloges im Regelfall verordnungsfähig als:

- Erstverordnung,
- Folgeverordnung,
- Langfristverordnung.

11.2.1 Nach einer Erstverordnung gilt jede Verordnung zur Behandlung dersel-ben Diagnose als Folgeverordnung. Dies gilt auch, wenn sich unter der Be-handlung die Leitsymptomatik ändert und unterschiedliche Heilmittel zum Einsatz kommen.

11.2.2 Folgeverordnungen im Regelfall können nach Maßgabe des Heilmittelkata-logs als 1. und maximal als 2. Folgeverordnung ausgestellt werden.

11.2.3 Langfristverordnungen im Regelfall sind nur zulässig, wenn dies im Heilmit-tel-katalog ausdrücklich festgelegt ist. Auch in Langfristverordnun-gen ist die Anzahl der Behandlungen festzulegen. "Standardisierte Heil-mittelkombina-tionen" können nicht als Langfristverordnung verordnet wer-den.

11.2.4 Folgeverordnungen und Langfristverordnungen sind nach Maßgabe des Heil-mittelkatalogs nur zulässig, wenn sich der behandelnde Vertragsarzt zuvor erneut vom Zustand des Patienten überzeugt hat. In die Entschei-dung des Vertragsarztes über Folgeverordnungen und Langfristverord-nun-gen soll der Bericht des Therapeuten nach Nr. 29.5 einfließen.

11.3 Ist im Heilmittelkatalog eine Langfristverordnung nicht vorgesehen und ist das The-ra-pieziel ohne eine solche Verordnung im Einzelfall nicht erreichbar, ist diese Verordnung ggf. mit prognostischer Einschätzung zu begründen.

11.4 Läßt sich in Ausnahmefällen mit der nach Maßgabe des Heilmittelkataloges be-stimmten Verordnungsmenge im Regelfall die Behandlung nicht abschließen, be-dürfen alle weiteren Verordnungen der besonderen Begründung ggf. mit prog-nostischer Einschätzung.

11.5 Begründungspflichtige Verordnungen sind der zuständigen Krankenkasse vor Fort-setzung der Therapie zur Genehmigung vorzulegen. Verzichtet eine Kran-ken-kasse auf die Vorlage, informiert sie darüber schriftlich die Kassenärztlichen Ver-einigungen.


12. Beim Vorliegen von geringfügigen Gesundheitsstörungen dürfen Heilmittel anstelle der nach § 34 Abs. 1 SGB V von der Verordnung ausgeschlossenen Arzneimittel nicht er-satzweise verordnet werden. Dies gilt insbesondere für Maßnahmen der Physikalischen Therapie zur Anwendung bei Erkältungskrankheiten.


13. Vor jeder Verordnung von Heilmitteln soll der Vertragsarzt prüfen, ob entsprechend dem Gebot der Wirtschaftlichkeit das angestrebte Behandlungsziel auch

- durch eigenverantwortliche Maßnahmen des Patienten (z. B. nach Erlernen eines Ei-genübungsprogramms, durch allgemeine sportliche Betätigung oder Änderung der Lebensführung),
- durch eine Hilfsmittelversorgung oder
- durch Verordnung eines Arzneimittels

unter Abwägung der jeweiligen Therapierisiken qualitativ gleichwertig und kostengünsti-ger erreicht werden kann. Dann haben diese Maßnahmen Vorrang gegenüber einer Heilmittelverordnung.


14. Neue Heilmittel oder zugelassene Heilmittel nach Maßgabe dieser Richtlinien zur Be-handlung nicht im Heilmittelkatalog genannter Indikationen dürfen nur verordnet oder gewährt werden, wenn der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen zuvor in diesen Richtlinien den therapeutischen Nutzen anerkannt und Empfehlungen für die Si-cherung der Qualität bei der Leistungserbringung abgegeben hat. Das Verfahren richtet sich nach Anlage 1 dieser Richtlinien.


15. In der Anlage 2 dieser Richtlinien sind Maßnahmen aufgeführt, die in der vertragsärztli-chen Versorgung nicht als Heilmittel verordnet werden können, oder Indi-kationen, in de-nen zugelassene Heilmittel im Rahmen der GKV nicht verordnungsfähig sind.


16. Die Auswahl und die Anwendung des Heilmittels hängt von Ausprägung und Schwere-grad der Erkrankung (Schädigung/Funktionsstörung/Fähigkeitsstörung) sowie von dem mit dieser Verordnung angestrebten Ziel (Therapieziel) ab.

16.1 Die gleichzeitige Verordnung mehrerer Heilmittel ist nur dann ausreichend, zweck-mäßig und wirtschaftlich, wenn durch sie ein therapeutisch erforderlicher Syner-gismus erreicht wird. Das Nähere hierzu wird in Kapitel VI bestimmt.

16.2 Heilmittel können, sofern in den Kapiteln III-V nichts anderes bestimmt ist,

- als Behandlung beim Therapeuten (Einzel- oder Gruppentherapie) oder
- als Behandlung im Rahmen eines Hausbesuchs durch den Therapeuten

vom Vertragsarzt verordnet werden. Sofern Einzeltherapie medizinisch nicht zwin-gend geboten ist, ist wegen gruppendynamisch gewünschter Effekte oder i. S. des Wirtschaftlichkeitsgebots Gruppentherapie zu verordnen.

Die Verordnung der Heilmittelerbringung außerhalb der Praxis des Therapeuten, insbesondere in Form eines Hausbesuches, ist ausnahmsweise nur dann zuläs-sig, wenn der Patient aus medizinischen Gründen den Therapeuten nicht aufsu-chen kann bzw. wenn sie aus medizinischen Gründen zwingend notwendig ist.


III. Maßnahmen der Physikalischen Therapie

17. Maßnahmen der Physikalischen Therapie entfalten ihre Wirkung insbesondere nach physikalisch-biologischem Prinzip durch überwiegend von außen vermittelte kinetische, mechanische, elektrische und thermische Energie. Bei Bädern und Inhalationen kön-nen auch chemische Inhaltsstoffe mitwirken.

Für bestimmte Maßnahmen der Physikalischen Therapie bedarf es spezieller Qualifikatio-nen, die über die im Rahmen der Berufsausbildung erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten hinausgehen. Solche Maßnahmen, für deren Durchführung eine zu-sätzliche, abgeschlossene Weiterbildung/Fortbildung erforderlich ist, sind mit *) ge-kenn-zeichnet.

Zu den Maßnahmen der Physikalischen Therapie gehören die nachstehend genannten verordnungsfähigen Heilmittel. Die in Anlage 2 dieser Richtlinien genannten
- Maßnahmen, deren therapeutischer Nutzen nach Maßgabe der Anlage 1 nicht nach-gewiesen ist und
- Maßnahmen, die der persönlichen Lebensführung zuzuordnen sind,
sind keine verordnungsfähigen Heilmittel i.S. dieser Richtlinien.
Gleiches gilt für Maßnahmen, deren therapeutischer Nutzen nachgewiesen, jedoch de-ren Einsatz bei denen in der Anlage 2 genannte Indikationen nicht anerkannt ist.

17.1 Massagetherapie

Die Massagetherapie ist eine in Ruhelage des Patienten durchgeführte Maß-nahme, die aktive körperliche Reaktionen bewirkt. Die Massagetherapie setzt be-stimmte manuelle Grifftechniken ein, die in planvoll kombinierter Abfolge je nach Gewebebefund über mechanische Reizwirkung direkt Haut, Unterhaut, Muskeln, Sehnen und Bindegewebe einschließlich deren Nerven, Lymph- und Blutgefäße beeinflussen. Indirekt wird eine therapeutische Beeinflussung innerer Organe über cutiviscerale Reflexe erreicht.

Die Massagetherapie umfasst die nachstehend beschriebenen, anerkannten the-rapeutischen Verfahren:

- Klassische Massagetherapie (KMT) als überwiegend muskuläre Massage-form einzelner oder mehrerer Körperteile zur Erzielung einer entstauenden, toni-sierenden, detonisierenden, schmerzlindernden und hyperämisierenden Wirkung

- Reflexzonentherapie (RZT) in Form von Bindegewebs-(BGM), Segment-, Peri-ost- und Colonmassage (CM) als gezielte, über nervös-reflektorische Wege einwirkende Massagetechnik zur Beeinflussung innerer Organe und peripherer Durchblutungsstörungen über segmentale Regulationsmecha-nismen

- Unterwasserdruckstrahlmassage (UWM) als manuell geführtes Verfahren am unter Wasser befindlichen Patienten, unterstützt vom entspannenden Effekt der Wassertemperatur und von der Auftriebskraft des Wassers, zur verbesserten Rückstromförderung und Mehrdurchblutung, Schmerzlinde-rung sowie Detoni-sierung der Muskulatur durch individuell einstellbaren Druckstrahl

- Manuelle Lymphdrainage*) (MLD) der Extremitäten, des Kopfes und/oder des Rumpfes einschließlich der ggf. erforderlichen Bandagierung zur ent-stauenden Behandlung bei Ödemen verschiedener Ursachen.

17.2 Bewegungstherapie

Die Bewegungstherapie umfaßt die nachstehend beschriebenen, anerkannten the-rapeutischen Verfahren, die auf der Kenntnis der normalen und krankhaft ver-än-derten Funktionen der Bewegungsorgane, der Bewegungslehre sowie auf Übungs- und Trainingsprinzipien aufbauen. Dabei dient der gezielte, dosierte, methodisch planmäßige Einsatz von therapeutischen Techniken der Erhaltung, Förderung und Wiederherstellung der Leistungen der Stütz- und Bewegungsor-gane, des Nervensystem und der dabei beteiligten Funktionen des Herz-/ Kreis-laufsystems, der Atmung und des Stoffwechsel.

Soweit krankheitsbedingt möglich, soll das Erlernen von Eigenübungsprogram-men im Vordergrund stehen.

17.2.1 Übungsbehandlung

kann einzeln oder in Gruppen bis maximal 5 Patienten durchgeführt wer-den

- als gezielte und kontrollierte Maßnahme zur Dehnung verkürzter Mus-kel- und Sehnenstrukturen und Vermeidung von Kontrakturen, sowie Kräftigung der Muskulatur bei krankhafter Muskelinsuffizienz und -dysbalance und Funktionsverbesserung funktionsgestörter Ge-lenke, des Herz-Kreislauf-Systems, der Atmung und des Stoff-wech-sels,

- ggf. im Wasser als gezielte und kontrollierte Maßnahme zur Funktions-verbesserung von Gelenken, der Wirbelsäule und Be-hand-lung von Kontrakturen unter Ausnutzung der Wärmewirkung und des Auftriebes des warmen Wassers.

17.2.2 Chirogymnastik*)

als Einzeltherapie: spezielle funktionelle Wirbelsäulengymnastik zur Kräfti-gung von Muskelketten, Koordinierung und Stabilisierung des muskulären Gleichgewichtes sowie zur Dehnung von bindegewebigen Strukturen.

17.2.3 Allgemeine Krankengymnastik (KG)

Krankengymnastische Behandlungstechniken dienen z. B. der Behand-lung von Fehlentwicklungen, Erkrankungen, Verletzungen, Verletzungs-folgen und Funktionsstörungen der Haltungs- und Bewegungsorgane, sowie innerer Organe und des Nervensystems mit mobilisierenden und stabilisierenden Übungen und Techniken. Sie dienen der Kontrakturver-meidung und -lösung, der Tonusregulierung sowie der Funktionsverbes-serung bei krankhaften Muskelinsuffizienzen und -dysbalancen.

Die Krankengymnastik kann einzeln oder in Gruppen bis maximal 5 Patien-ten durchgeführt werden

- ggf. auch unter Anwendung von z. B. Gymnastikband und -ball, Thera-piekreisel, Schlingentisch,
- ggf. im Bewegungsbad mit den entsprechenden Wärmewirkungen, dem Auftrieb und dem Reibungswiderstand des Wassers,
- ggf. als KG-Atemtherapie insbesondere zur Verbesserung der Atemfunk-tion und zur Sekretlösung.

Die Krankengymnastik wird als Einzeltherapie durchgeführt bei Mukoviszi-dose / Cystischer Fibrose.


17.2.4 Gerätegestützte Krankengymnastik (KG-"Gerät"*))

Sie kann als Einzeltherapie oder in Gruppen bis maximal 3 Patienten durch-geführt werden. Unabdingbar ist die Anleitung, Aufsicht und Kon-trolle unmittelbar durch den behandelnden Therapeuten.

Sie dient der Behandlung krankhafter Muskelinsuffizienz, -dysbalance und -verkürzung sowie motorischer Paresen mittels spezieller medizini-scher Trainingsgeräte, vor allem bei chronischen Erkrankungen der Wir-belsäule sowie bei posttraumatischen oder postoperativen Eingriffen mit

- Sequenztrainingsgeräten für die oberen und unteren Extremitäten und den Rumpf und/oder
- Hebel- und Seilzugapparate (auxotone Trainingsgeräte) für die Rumpf- und Extremitätenmuskulatur.

17.2.5 Krankengymnastik nach BOBATH*) oder VOJTA*)

zur Behandlung von angeborenen und vor Abschluss der Hirnreife erwor-be-nen zentralen Bewegungsstörungen, zur Erleichterung des Bewe-gungsablaufs durch Ausnutzung komplexer Bewegungsmuster, Bahnung von Innervation und Bewegungsabläufen und Förderung oder Hemmung von Reflexen.

17.2.6 Krankengymnastik nach BOBATH*), VOJTA*) oder PNF*) (Propriozep-tive Neuromuskuläre Fazilitation)

zur Behandlung von nach Abschluss der Hirnreife erworbenen zentralen Bewegungsstörungen, zur Förderung und Erleichterung des Bewe-gungs-ablaufs durch Einsatz komplexer Bewegungsmuster, Bahnung von Inner-vation und Bewegungsabläufen und Förderung oder Hemmung von Re-flexen.

17.2.7 Manuelle Therapie*)

als Einzeltherapie zur Behandlung reversibler Funktionseinschränkungen der Gelenke und ihrer muskulären, reflektorischen Fixierung durch ge-zielte (impulslose) Mobilisation oder durch Anwendung von Weichteil-techniken.

17.3 Traktionsbehandlung

als Einzeltherapie als mechanischer apparativer Zug zur Entlastung komprimierter Nervenwurzeln und Gelenkstrukturen an Wirbelsäule, Becken, Knie- und Hüftge-lenk.

17.4 Elektrotherapie

Die Elektrotherapie wendet nieder- und mittelfrequente Stromformen an zur Schmerzlinderung, Durchblutungsverbesserung, Tonisierung und Detonisierung der Muskulatur. Besondere Stromformen haben entzündungshemmende und re-sorptionsfördernde Wirkung und vermögen darüber hinaus Muskeln zu kräftigen und gezielt zur Kontraktion zu bringen.

Die Elektrotherapie umfasst die nachstehend beschriebenen, anerkannten thera-peutischen Verfahren:

- Elektrotherapie unter Verwendung konstanter galvanischer Ströme,

- Elektrotherapie unter Verwendung von Stromimpulsen (z. B. diadynamische Ströme, mittelfrequente Wechselströme, Interferenzströme),

- Elektrostimulation unter Verwendung von Reizströmen mit definierten Einzel-Impul-sen nach Bestimmung von Reizparametern (nur zur Behandlung von Läh-mungen bei prognostisch reversibler Denervierung),

- hydroelektrisches Teilbad oder Vollbad (Stangerbad).

17.5 Kohlensäurebäder

Kohlensäurebäder wirken durchblutungsfördernd und stoffwechselstimulierend, wenn mindestens 1 g freies gasförmig gelöstes CO²/kg Wasser in dem physika-lisch oder chemisch bereiteten Bad enthalten ist.

17.6 Inhalationstherapie

Die Inhalation wird ausschließlich als Einzeltherapie mittels Gerät, mit dem eine alve-olengängige Teilchengröße erreicht wird, angewendet.

Zur längerfristigen Behandlung sind Inhalationen als Heilmittel nur verordnungsfä-hig, sofern eine Eigenbehandlung mit verordnungsfähigen, als Arzneimittel zuge-lassenen Inhalaten ggf. in Verbindung mit zusätzlich notwendigen Geräten nicht möglich ist.

17.7 Thermotherapie (Wärme-/ Kältetherapie)

Sowohl Wärme- als auch Kälteanwendungen wirken je nach Indikation schmerz-lin-dernd, beeinflussen den Muskeltonus und wirken reflektorisch auch auf innere Or-gane. Kälteanwendung wirkt zusätzlich entzündungshemmend.

Die Thermotherapie umfasst die nachstehend beschriebenen, anerkannten the-ra-peutischen Verfahren:

- Kaltpackungen, Kaltgas, Kaltluft,
- Heißluft mit strahlender und geleiteter Wärme zur Muskeldetonisierung und Schmerzlinderung,
- heiße Rolle, zur lokalen Hyperämisierung mit spasmolytischer sedierender, schmerzlindernder und reflektorischer Wirkung auf innere Organe,
- Ultraschall-Wärmetherapie, zur Verbesserung der Durchblutung und des Stoff-wechsels und zur Erwärmung tiefergelegener Gewebsschichten,
- Warmpackungen mit Peloiden (z. B. Fango, Schlick oder Moor), Paraffin oder Pa-raffin-Peloidgemischen zur Applikation intensiver Wärme,
- Voll- und Teilbäder mit Peloiden/Paraffin.

Wärme- oder Kälteapplikation kann nur als therapeutisch erforderliche Ergänzung in Kombination mit Krankengymnastik, Manueller Therapie, Übungsbehandlung, Chirogymnastik, Massagetherapie oder Traktionsbehandlung verordnet werden, es sei denn, im Heilmittelkatalog ist indikationsbezogen etwas anderes bestimmt.

17.8 Standardisierte Kombinationen von Maßnahmen der Physikalischen Therapie ("Stan-dardisierte Heilmittelkombinationen")

Die "standardisierten Heilmittelkombinationen" aus den in Nrn. 17.1 - 17.7 genann-ten einzelnen Maßnahmen können nach Maßgabe des Heilmittelkatalogs nur dann verordnet werden, wenn komplexe Schädigungsbilder vorliegen und die therapeu-tisch erforderliche Kombination von drei oder mehr Maßnahmen syner-gistisch sinnvoll ist, wenn die Erbringung dieser Maßnahmen in einem direkten zeitlichen und örtlichen Zusammenhang erfolgt und der Patient aus medizinischer Sicht ge-eignet ist.


IV. Maßnahmen der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie

18. Maßnahmen der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie entfalten ihre Wirkung auf phoni-atrischen und neurophysiologischen Grundlagen und dienen dazu, die Kommuni-kati-onsfähigkeit, die Stimmgebung, das Sprechen, die Sprache und den Schluckakt bei krankheitsbedingten Störungen wiederherzustellen, zu verbessern oder eine Ver-schlimmerung zu vermeiden.

Maßnahmen der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie dürfen bei Kindern nicht verord-net werden, wenn an sich störungsbildspezifische sonderpädagogische / heilpädagogi-sche Maßnahmen zur Beeinflussung einer Sprachstörung geboten sind. Sind sprach-heilpädagogische Maßnahmen nicht durchführbar, dürfen Maßnahmen der Sprachthe-rapie nicht an deren Stelle verordnet werden. Neben sprachheilpädagogischen Maß-nahmen darf die Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie nur bei entsprechender medizini-scher Indikation verordnet werden.

Zu den Maßnahmen der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie gehören die nach-stehend genannten verordnungsfähigen Heilmittel. Die in Anlage 2 dieser Richtlinien genannten
- Maßnahmen, deren therapeutischer Nutzen nach Maßgabe der Anlage 1 nicht nach-gewiesen ist und
- Maßnahmen, die der persönlichen Lebensführung zuzuordnen sind,
sind keine verordnungsfähigen Heilmittel i.S. dieser Richtlinien.
Gleiches gilt für den Einsatz von Maßnahmen, deren therapeutischer Nutzen nachgewie-sen, jedoch nicht für die in der Anlage 2 genannte Indikation anerkannt ist.

18.1 Stimmtherapie

Die Stimmtherapie dient der Wiederherstellung, Besserung und Erhaltung der stimm-lichen Kommunikationsfähigkeit und des Schluckaktes sowie der Vermitt-lung von Kompensationsmechanismen (z. B. Bildung einer Ersatzstimme, Üben des Gebrauchs elektronischer Sprechhilfen). Sie umfaßt insbesondere Maßnah-men zur Regulation von

- Atmung,
- Phonation,
- Artikulation,
- Schluckvorgängen.

18.2 Sprechtherapie

Die Sprechtherapie dient der Wiederherstellung, Besserung und dem Erhalt der ko-ordinierten motorischen und sensorischen Sprechleistung sowie des Schluck-vorganges.

Sie umfaßt insbesondere Maßnahmen zur gezielten Anbahnung und Förderung

- der Artikulation,
- der Sprechgeschwindigkeit,
- der koordinativen Leistung
- von motorischer und sensorischer Sprachregion,
- des Sprechapparates,
- der Atmung,
- der Stimme,
- des Schluckvorganges

ggf. unter Einbeziehung des sozialen Umfeldes in das Therapiekonzept.

18.3 Sprachtherapie

Die Sprachtherapie dient der Wiederherstellung, Besserung und dem Erhalt der sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten sowie des Schluckvorganges.

Sie umfaßt insbesondere Maßnahmen zum/zur

- Anbahnung sprachlicher Äußerungen,
- Aufbau des Sprachverständnisses,
- Ausbildung und Erhalt der Lautsprache zur sprachlichen Kommunikation,
- Artikulationsverbesserung bzw. Schaffung nonverbaler Kommunikationsmöglich-keiten,
- Normalisierung bzw. Verbesserung der Laut- und Lautverbindungsbildung,
- Verbesserung, Normalisierung der auditiven Wahrnehmungsfähigkeit,
- Aufbau von Kommunikationsstrategien,
- Normalisierung des Sprachklangs,
- Beseitigung der Dysfunktionen der Kehlkopf- und Zungenmuskulatur,
- Besserung und Erhalt des Schluckvorganges.

Die Maßnahme Sprachtherapie darf bei einer auditiven Wahrnehmungsstörung mit Krankheitswert nur aufgrund neuropsychologischer Untersuchung und zent-ra-ler Hördiagnostik mit entsprechender Dokumentation verordnet werden.


19. Ärztliche Diagnostik bei Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen

Vor der Erstverordnung einer Stimm-, Sprech- und/oder Sprachtherapie ist eine Eingangsdiagnostik (gemäß Verordnungsvordruck) notwendig. Bei der Eingangs-diagnostik sind störungsbildabhängig die im folgenden aufgelisteten Maßnahmen durchzuführen, zu veranlassen oder zeitnah erhobene Fremdbefunde heranzuziehen.

Bei Nichterreichen des individuell angestrebten Therapiezieles ist eine weiterführende Diagnostik erforderlich, die maßgebend für die notwendige Einleitung operativer, psychotherapeutischer oder rehabilitativer Maßnahmen oder für die mögliche Beendigung oder Fortsetzung einer Stimm-, Sprech- und/oder Sprachtherapie. Der Ver-tragsarzt entscheidet störungsbildabhängig, welche Maßnahmen der weiterführenden Diagnostik er durchführt bzw. veranlaßt.

19.1 Stimmtherapie

19.1.1 Eingangsdiagnostik
- Tonaudiogramm
- lupen-laryngoskopischer Befund
- stroboskopischer Befund
- Stimmstatus

bei begleitenden Schluckstörungen
- bildgebende Verfahren
- endoskopische Untersuchung
- neurologische Untersuchung

19.1.2 weiterführende Diagnostik
- Videostroboskopie
- Stimmfeldmessung
- Elektroglottographie
- schallspektographische Untersuchung der Stimme
- pneumographische Untersuchungen

19.2 Sprechtherapie bei Erwachsenen

19.2.1 Eingangsdiagnostik
- Organbefund
- lupen-laryngoskopischer Befund
- stroboskopischer Befund
- Sprachstatus/Stimmstatus

bei begleitenden Schluckstörungen
- bildgebende Verfahren
- endoskopische Untersuchung
- neurologische Untersuchung

19.2.2 weiterführende Diagnostik
- audiologische Diagnostik
- neuropsychologische Tests
- elektrophysiologische Tests
- stroboskopischer Befund
- Hirnleistungsdiagnostik
- endoskopische Diagnostik

19.3 Sprachtherapie bei Erwachsenen

19.3.1 Eingangsdiagnostik
- Sprachstatus
- Organbefund
- neurologischer Befund
- Aachener Aphasietest (AAT) (sobald der Patient testfähig ist)

bei begleitenden Schluckstörungen
- bildgebende Verfahren
- endoskopische Untersuchung
- neurologische Untersuchung

19.3.2 weiterführende Diagnostik
- Hirnleistungsdiagnostik
- audiologische Diagnostik
- neurologische Untersuchungen
- Sprachanalyse
- Aachener Aphasietest (AAT)

19.4 Sprech- und/oder Sprachtherapie bei Kindern und Jugendlichen

19.4.1 Eingangsdiagnostik
- Tonaudiogramm
- Organbefund
- Sprachstatus

bei begleitenden Schluckstörungen
- bildgebende Verfahren
- endoskopische Untersuchung
- neurologische Untersuchung

19.4.2 weiterführende Diagnostik
- Entwicklungsdiagnostik
- zentrale Hördiagnostik
- neuropädiatrische/neurologische Untersuchungen
- Sprach- und Sprechanalyse
- Aachener Aphasietest (AAT)


V. Maßnahmen der Ergotherapie

20. Die Maßnahmen der Ergotherapie (Beschäftigungs- und Arbeitstherapie) dienen der Wiederherstellung, Entwicklung, Verbesserung, Erhaltung oder Kompensation der krankheitsbedingt gestörten motorischen, sensorischen, psychischen und kognitiven Funktionen und Fähigkeiten.

Sie bedienen sich komplexer aktivierender und handlungsorientierter Methoden und Ver-fahren, unter Einsatz von adaptiertem Übungsmaterial, funktionellen, spielerischen, handwerklichen und gestalterischen Techniken sowie lebenspraktischen Übungen.

Sie umfassen auch Beratungen zur Schul-, Arbeitsplatz, Wohnraum- und Umfeldanpas-sung.

Maßnahmen der Ergotherapie dürfen bei Kindern dann nicht verordnet werden, wenn an sich störungsbildspezifische heilpädagogische/sonderpädagogische Maßnahmen zur Beeinflussung geboten sind. Sind heilpädagogische oder sonderpädagogische Maß-nahmen nicht durchführbar, dürfen Maßnahmen der Ergotherapie nicht an deren Stelle verordnet werden. Neben heilpädagogischen Maßnahmen darf die Ergotherapie nur bei entsprechender medizinischer Indikation verordnet werden.

Zu den Maßnahmen der Ergotherapie gehören die nachstehend genannten verord-nungsfähigen Heilmittel. Die in Anlage 2 dieser Richtlinien genannten
- Maßnahmen, deren therapeutischer Nutzen nach Maßgabe der Anlage 1 nicht nach-gewiesen ist und
- Maßnahmen, die der persönlichen Lebensführung zuzuordnen sind,
sind keine verordnungsfähigen Heilmittel i.S. dieser Richtlinien.
Gleiches gilt für den Einsatz von Maßnahmen, deren therapeutischer Nutzen nachgewie-sen, jedoch nicht für die in der Anlage 2 genannte Indikation anerkannt ist.

20.1 Motorisch-funktionelle Behandlung

Eine motorisch-funktionelle Behandlung dient der gezielten Therapie krankheitsbe-dingter Störungen der motorischen Funktionen mit und ohne Beteili-gung des peripheren Nervensystems und der daraus resultierenden Fähigkeits-stö-rungen. Sie umfasst insbesondere Maßnahmen zum/zur

- Abbau pathologischer Haltungs- und Bewegungsmuster,
- Aufbau und Erhalt physiologischer Funktionen,
- Entwicklung oder Verbesserung der Grob- und Feinmotorik,
- Entwicklung oder Verbesserung der Koordination von Bewegungsabläufen und der funktionellen Ausdauer,
- Verbesserung von Gelenkfunktionen, einschl. Gelenkschutz,
- Vermeidung der Entstehung von Kontrakturen,
- Narbenabhärtung,
- Desensibilisierung bzw. Sensibilisierung einzelner Sinnesfunktionen,
- Schmerzlinderung,
- Erlernen von Ersatzfunktionen,
- Verbesserung der eigenständigen Lebensführung, auch unter Einbeziehung technischer Hilfen.

20.2 Sensomotorisch-perzeptive Behandlung

Eine sensomotorisch-perzeptive Behandlung dient der gezielten Therapie krank-heits-bedingter Störungen der sensomotorischen und perzeptiven Funktionen mit den daraus resultierenden Fähigkeitsstörungen. Sie umfasst insbesondere Maß-nahmen zum/zur

- Desensibilisierung und Sensibilisierung einzelner Sinnesfunktionen,
- Koordination, Umsetzung und Integration von Sinneswahrnehmungen,
- Verbesserung der Körperwahrnehmung,
- Hemmung und Abbau pathologischer Haltungs- und Bewegungsmuster und Bahnung normaler Bewegungen,
- Stabilisierung sensomotorischer und perzeptiver Funktionen mit Verbesse-rung der Gleichgewichtsfunktion,
- Kompensation eingeschränkter praktischer Möglichkeiten durch Verbesse-rung der kognitiven Funktionen, Erlernen von Ersatzfunktionen,
- Entwicklung und Verbesserung im situationsgerechten Verhalten und der zwi-schenmenschlichen Beziehungen,
- Erlangen der Grundarbeitsfähigkeiten,
- Verbesserung der Mund- und Essmotorik,
- Verbesserung der eigenständigen Lebensführung, auch unter Einbeziehung technischer Hilfen.

20.3 Hirnleistungstraining / neuropsychologisch orientierte Behandlung

Ein Hirnleistungstraining / eine neuropsychologisch orientierte Behandlung dient der gezielten Therapie krankheitsbedingter Störungen der neuropsychologischen Hirnfunktionen, insbesondere der kognitiven Störungen und der daraus resultie-renden Fähigkeitsstörungen. Sie umfasst insbesondere Maßnahmen zum/zur

- Verbesserung und Erhalt kognitiver Funktionen wie Konzentration, Merkfähig-keit, Aufmerksamkeit, Orientierung, Gedächtnis sowie Handlungsplanung und Problemlösung,
- Erlangen der Grundarbeitsfähigkeiten,
- Verbesserung der eigenständigen Lebensführung, auch unter Einbeziehung technischer Hilfen.

20.4 Psychisch-funktionelle Behandlung

Eine psychisch-funktionelle Behandlung dient der gezielten Therapie krankheitsbe-dingter Störungen der psychosozialen und sozioemotionalen Funkti-o-nen und den daraus resultierenden Fähigkeitsstörungen. Sie umfasst insbeson-dere Maßnahmen zum/zur

- Verbesserung und Stabilisierung der psychischen Grundleistungsfunktionen wie Antrieb, Motivation, Belastbarkeit, Ausdauer, Flexibilität und Selbständig-keit in der Tagesstruk-turierung,
- Verbesserung eingeschränkter körperlicher Funktionen wie Grob- und Fein-moto-rik, Koordination und Körperwahrnehmung,
- Verbesserung der Körperwahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung,
- Verbesserung der Realitätsbezogenheit, der Selbst- und Fremdwahr-neh-mung,
- Verbesserung des situationsgerechten Verhaltens, auch der sozioemotiona-len Kompetenz und Interaktionsfähigkeit,
- Verbesserung der kognitiven Funktionen,
- Verbesserung der psychischen Stabilisierung und des Selbstvertrauens,
- Verbesserung der eigenständigen Lebensführung und der Grundarbeitsfähig-keiten.

20.5 Therapieergänzende Maßnahmen

Die nachstehend genannten Maßnahmen können als therapeutisch erforderliche Er-gänzung nach Vorgabe des Heilmittelkatalogs nur als ergänzendes Heilmittel zu den Heilmitteln nach 20.1 bis 20.2 verordnet werden.

20.5.1 Thermotherapie (Wärme-/Kältetherapie)

Die thermischen Anwendungen (Wärme-/Kältetherapie, vgl. Nr. 17.7) sind zu-sätzlich zu einer motorisch-funktionellen oder sensomotorisch-perzepti-ven Behandlung als ergänzendes Heilmittel dann verordnungsfähig, wenn sie einer notwendigen Schmerzreduzierung bzw. Muskeltonusregulation dienen.

20.5.2 Herstellung und Anpassung temporärer ergotherapeutischer Schienen

Die Herstellung und individuelle Anpassung von temporären ergotherapeuti-schen Schienen ist als zusätzliche Maßnahme zu einer mo-torisch-funktionellen oder sensomotorisch-perzeptiven Behandlung als er-gänzendes "Heilmittel" dann verordnungsfähig, wenn dies zur Durchfüh-rung der ergotherapeutischen Behandlung notwendig ist.


VI. Inhalt und Durchführung der Heilmittelverordnung

21. Die Verordnung erfolgt ausschließlich auf vereinbarten Vordrucken. Die Vordrucke müs-sen vollständig ausgefüllt werden. Änderungen und Ergänzungen der Heilmittel-verord-nung bedürfen mit Ausnahme der Regelung nach Nr. 29.1 und 29.4 einer er-neuten Arztunterschrift mit Datumsangabe.

22. In der Heilmittelverordnung sind nach Maßgabe der vereinbarten Vordrucke das Heilmit-tel der Physikalischen Therapie ggf. auch die einzelnen Heilmittel der "standardi-sierten Heilmittelkombinationen", der Ergotherapie und der Stimm-, Sprech- oder Sprachthera-pie eindeutig zu bezeichnen. Ferner sind alle für die individuelle Therapie erforderlichen Einzelangaben zu machen. Anzugeben sind insbesondere

- Angaben zur Verordnung nach Maßgabe des Verordnungsvordrucks,
- die Art der Verordnung (Erstverordnung, Folgeverordnung oder Langfristverord-nung, Hausbesuch),
- ggf. der späteste Zeitpunkt des Therapiebeginns, soweit abweichend von Nr. 28 not-wendig,
- die Indikation (Diagnose, Leitsymptomatik) mit Therapieziel(en) nach Maßgabe des jeweiligen Heilmittelkataloges, ergänzende Hinweise (z. B. Befunde, Vor- und Begleiterkrankungen,
- die erforderlichen medizinischen Begründungen bei Verordnungen über den Regel-fall hinaus,
- die Verordnungsmenge und ggf. die Therapiefrequenz,
- die Durchführung der Therapie als Einzel- bzw. Gruppenbehandlung,
- spezifische Befunde bei der Verordnung von Maßnahmen der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie sowie bei der Verordnung von Maßnahmen der Ergotherapie.


23. Die Indikation für die Verordnung von Heilmitteln nach Nr. 17, 18 und 20 ergibt sich nicht aus der Diagnose allein, sondern nur dann, wenn die Schädi-gung/Funktionsstörung und/oder Fähigkeitsstörung eine Heilmittelanwendung notwen-dig machen.


24. Bei gegebener Indikation richtet sich die Auswahl der zu verordnenden Heilmittel nach dem jeweils therapeutisch im Vordergrund stehenden Behandlungsziel.

- Vorrangig soll eine im Heilmittelkatalog als "vorrangiges Heilmittel" (A) genannte Maßnahme zur Anwendung kommen.
- Ist dies aus in der Person des Patienten liegenden Gründen nicht möglich, kann al-ternativ ein im Heilmittelkatalog genanntes "optionales Heilmittel" (B) verordnet werden.
- Zusätzlich zu einem "vorrangigen Heilmittel"(A) oder "optionalen Heilmittel" (B) kann ein im Heilmittelkatalog genanntes "ergänzendes Heilmittel" (C) verordnet werden.
- Liegen bei derselben Diagnose mehrere gleichrangige Schädigun-gen/Funktionsstörungen vor, ist dennoch lediglich die gleichzeitige Verordnung von maximal zwei Heilmitteln je Abschnitt des Heilmittelkataloges, ggf. mit dem zugehörigen ergänzenden Heilmittel zulässig oder nach dem Heilmittelkatalog ist eine "standardisierte Heilmittelkombination" (D) indiziert.
- "Standardisierte Heilmittelkombinationen" (D) dürfen nur verordnet werden, wenn der Patient bei komplexen Schädigungsbildern einer intensiveren Heilmit-telbe-handlung bedarf und die therapeutisch erforderliche Kombination von drei oder mehr Maßnahmen synergistisch sinnvoll ist, wenn die Erbringung dieser Maßnah-men in einem direkten zeitlichen und örtlichen Zusammenhang erfolgt und der Pa-tient aus medizinischer Sicht geeignet ist.

- Die gleichzeitige Verordnung einer "standardisierten Heilmittelkombination" (D) der Physikalischen Therapie mit einem weiteren Einzelheilmittel der Physikali-schen Therapie ist nicht zulässig.
- Die gleichzeitige Verordnung eines "vorrangigen Heilmittels" (A) und eines "optiona-len Heilmittels" (B) bei derselben Schädigung ist nicht zulässig.
- Die gleichzeitige Verordnung von Heilmitteln in der Physikalischen Therapie, Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie und Ergotherapie ist bei entsprechender In-dikation zulässig.

25. Erscheint der Erfolg der Heilmitteltherapie fraglich, ist zu prüfen, ob der Behandlungs-erfolg durch andere therapeutische Maßnahmen zu erreichen ist. Dabei ist auch die In-dikation für eine Rehabilitation zu prüfen.


VII. Zusammenarbeit zwischen Vertragsärzten und Heilmittelerbringern

26. Eine ausreichende, zweckmäßige und wirtschaftliche Versorgung mit Heilmitteln, die das Maß des Notwendigen nicht überschreitet, ist nur zu gewährleisten, wenn der ver-ordnende Vertragsarzt und der die Verordnung ausführende Therapeut eng zusam-menwirken.


27. Dies setzt voraus, dass zwischen dem Vertragsarzt, der bei der Auswahl der Heilmittel definierte Therapieziele zur Grundlage seiner Verordnung gemacht hat, und dem The-rapeuten, der die sachgerechte und qualifizierte Durchführung der verordneten Maß-nahme gewährleistet, eine Kooperation sichergestellt ist. Dies gilt insbesondere für den Beginn und die Durchführung der Heilmittelbehandlung.


28. Beginn der Heilmittelbehandlung:

28.1 Sofern der Vertragsarzt auf dem Verordnungsvordruck keine Angabe zum spätes-ten Behandlungsbeginn gemacht hat, soll die Behandlung innerhalb des nachste-henden Zeitraums begonnen werden

- bei Maßnahmen der Physikalischen Therapie:
innerhalb von 10 Tagen nach Ausstellung der Verordnung,

- bei Maßnahmen der Stimm-, Sprech und Sprachtherapie:
innerhalb von 14 Tagen nach Ausstellung der Verordnung,

- bei Maßnahmen der Ergotherapie:
innerhalb von 14 Tagen nach Ausstellung der Verordnung.

28.2 Kann die Heilmittelbehandlung in dem genannten Zeitraum nicht aufgenommen wer-den, verliert die Verordnung ihre Gültigkeit.


29. Durchführung der Heilmittelbehandlung:

29.1 Sind auf dem Verordnungsvordruck Angaben zur Frequenz der Heilmittelbehand-lung gemacht, ist eine Abweichung davon nur zulässig, wenn zuvor zwischen Ver-tragsarzt und Therapeut ein abweichendes Vorgehen verabredet wurde. Die ein-vernehmliche Änderung ist vom Therapeuten auf dem Verordnungsvordruck zu dokumentieren.

29.2 Wird die Behandlung länger als nachstehend genannt unterbrochen, verliert die Ver-ordnung ihre Gültigkeit

- bei Maßnahmen der Physikalischen Therapie:
nach 10 Tagen,
- bei Maßnahmen der Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie:
nach 14 Tagen,
- bei Maßnahmen der Ergotherapie:
nach 14 Tagen.

29.3 Ergibt sich bei der Durchführung der Behandlung, dass mit dem verordneten Heil-mittel voraussichtlich das Therapieziel nicht erreicht werden kann oder dass der Patient in vorab nicht einschätzbarer Weise auf die Behandlung reagiert, hat der Therapeut darüber unverzüglich den Vertragsarzt, der die Verordnung ausgestellt hat, zu informieren und die Behandlung zu unterbrechen. Der Vertragsarzt ent-scheidet über eine Änderung oder Ergänzung des Therapieplans, eine neue Ver-ordnung oder die Beendigung der Behandlung.

Der Therapeut ist gehalten, seine aus dem Behandlungsverlauf resultierenden Vorschläge zur Änderung des Therapieplans auf dem Verordnungsvordruck zu unterbreiten.

29.4 Hat der Vertragsarzt Gruppentherapie verordnet und kann die Maßnahme aus Gründen, die der Vertragsarzt nicht zu verantworten hat, nur als Einzeltherapie durchgeführt werden, hat der Therapeut den Vertragsarzt zu informieren und die Änderung auf dem Verordnungsvordruck zu begründen.

29.5 Der Therapeut ist gehalten, den verordnenden Vertragsarzt jeweils nach Ab-schluss einer Behandlungsserie schriftlich über das Ergebnis der Therapie zu un-terrichten. Eine prognostische Einschätzung hinsichtlich der Erreichung des The-rapieziels ist abzugeben, sofern er die Fortsetzung der Therapie für erforder-lich hält.


30. Für die in den Nr. 29 genannten Informationen und Berichte ist der jeweils vereinbarte Verordnungsvordruck zu verwenden.


VIII. Heilmittelkatalog

31. Der Katalog verordnungsfähiger Heilmittel nach § 92 Abs. 6 SGB V ist Zweiter Teil die-ser Richtlinien. Der Katalog wird dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse entsprechend in regelmäßigen Abständen ergänzt oder aktualisiert.


IX. Anlagen

32. Das Verfahren zur Bewertung des therapeutischen Nutzens neuer Heilmittel und zugelas-sener Heilmittel bei neuen Indikationen in der vertragsärztlichen Versorgung (gemäß § 138 SGB V "Neue Heilmittel" und nach Nr. 14 der Richtlinien) ist in der An-lage 1 dargestellt.


33. In der Anlage 2 dieser Richtlinien ist die Übersicht über

- Maßnahmen, deren therapeutischer Nutzen nach Maßgabe der Anlage 1 nicht nachgewiesen ist,
- Indikationen, bei denen der Einsatz von Maßnahmen, deren therapeutischer Nut-zen nachgewiesen ist, nicht anerkannt ist und
- Maßnahmen, die der persönlichen Lebensführung zuzuordnen sind,

gelistet. Die Übersicht wird in regelmäßigen Abständen dem Stand der medizinischen Erkenntnisse folgend ergänzt oder aktualisiert.


X. Beschlussfassung, Beauftragungen und Inkrafttreten

34. Neue Heilmittel dürfen in der vertragsärztlichen Versorgung nur verordnet werden, wenn der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen ihren therapeutischen Nut-zen an-erkannt und in den Richtlinien nach § 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 Empfehlungen für die Si-cherung der Qualität bei der Leistungserbringung abgegeben hat. Der Bundes-aus-schuss der Ärzte und Krankenkassen beauftragt den zuständigen Arbeitsausschuss "Heil- und Hilfsmittel, Rehabilitation, Häusliche Krankenpflege, Arbeitsunfähigkeit" mit der Überprüfung, ob die mit dem Antrag auf Anerkennung als neues Heilmittel einge-reichten Unterlagen den Anforderungen nach den Nrn. 5 bis 7 der Anlage 1 entspre-chen.


35. Nach § 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 6 beschließt der Bundesausschuss der Ärzte und Kranken-kassen die Richtlinien über die Verordnung von Heilmitteln in der vertragsärztlichen Ver-sorgung sowie den indikationsbezogenen Katalog verordnungsfähiger Heilmittel nach § 92 Abs. 6 SGB V.


36. Die Richtlinien treten am 01. Juli 2001 in Kraft.


Köln, den 16. Oktober 2000

Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen

Der Vorsitzende

gez. Jung

 

 
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